Architecture and Society

Dass Architektur sich in einem viel direkteren Sinn als die benachbarten Künste in den Dienst der Gesellschaft zu stellen hat, unterliegt keinem Zweifel. Es ist noch nicht lange her, dass sie sogar als wesentliche und legitime Kraft beim Bau von Gesellschaften galt.

Andreas Tönnesmann

 

Solange die Hochschulabsolventen kein ausreichendes intellektuelles Bewusstsein erlangt haben, das sie zu verantwortungsvollen und aktiven Bürgern macht – damit die Entwicklung einer echten Demokratie zu Ende führend -, so lange wird die Pflicht Hauptaufgabe der Intellektruellen und der Lehrenden bleiben. In diesem Sinn hlate ich fest, dass der Zweck des Architekturunterrichts nicht nur darin besteht, fähige und hervorragende Architekten auszubilden, sondern vielmehr kritische Intellektuelle mit moralischem Bewusstsein hervorzubringen.

Die Architektur ist keine neutrale Disziplin gegenüber der Gesellschaft.

immer liegt ideologische Handlung zugrunde, sozialistische Bestrebung, gegen utilitaristisches Bild unserer Leistungs- und Konsumgesellschaft.

Autonomie des Lehrfachs

Ich meine, wir können der Architektur allein durch deren spezifische Vertiefung Bedeutung beimessen. Nur so kann sie die strukturellen Gegebenheiten der Gesellschaft beeinflussen. Spreche ich dem Architekturentwurf auch keine direkte politische Rolle zu, so wende ich mich ausdrücklich gegen jeden Versuch, das fachliche vom politischen Engagement zu trennen.

Architektur

strebt nach Permanenz

und nicht nach dem Flüchtigen

ist ihrer Natur nach anti-effizient

Politik – Gesellschaft

strebt nach dem Flüchtigen

und nicht nach der Permanenz

sucht ihrer Natur nach die maximale Effizienz

Wenn wir versuchen, einige der berühmtesten Architekten unserer Epoche diesen beiden Spalten zuzuordnen, werden wir erkennen, dass die meisten der bekannten Architekten, die sehr oft an öffentlichen Aufgaben der gegenwärtigen Gesellschaft arbeiten, der höchster Wert er Konsum ist, in der rechten Spalte einzureihen sind, da ihre organisch-funktionale Entwurfshaltung auf Effizienz ausgerichtet ist.

Kann man eine Metropole entwickeln, in der man sich orientieren kann? Vittorio Gregotti: ein Merkmal der Metropole ist genau diese Form von Leben, in der man sich nicht mehr räumlich orientieren kann. Das ist eine Metropole. (Bezug zu  Deltametropolis Projekt)

Die heutigen Stadtplaner sind sich des Problems der Dauer urbaner Entwicklungen bewusst und stützen sich auf zwei grundlegende Auffassungen. Zum einen versuchen sie ein Entwicklungsprogramm aufzustellen. Die Realität zeigt uns aber klar, dass die meisten dieser Programm fehlschlagen. Angesichts dieser Problematik wiederum proklamieren die Stadtplaner die offene Planung, das heißt, einen flexiblen Plan, der andere Entwicklungen der Stadt ermüglicht, die nicht unbedingt vorgesehen waren. Das aber bedeutet, keine Entscheidungen zu treffen, weil selbst der beste offene Plan kein Plan ist. Zum zweiten Problem, der Zersiedelung der heutigen Stadt, gibt es gar keine klaren Stellungnahmen.

Dieser planerischen Auffassung setze ich zwei alternative Antworten entgegen: Ich halte es für absolut notwendig, gegen die Zersiedelung der Stadt mit präzis festgelegten räumlichen Wachstumsgrenzen zu reagieren. Außerhalb der Grenzen, wie ehemals in der historischen Stadt: das Land. Innerhalb der Grenzen aber sehe ich die maximale Verdichtung vor. Auf die langen Entwicklungsphasen der Stadt antworte ich mit architektonisch-räumlich geschlossenen Entwürfen, das heißt, mit Entwürfen der kurzen Phasen. Es besteht so die Möglichkeit, innerhalb einer sehr kurzen Zeit Lösungen zu evaluieren, ohne auf die langen Phasen der Realisierung warten zu müssen. Der Entwurf muss aber innerhalb der festgelegten Grenzen die maximale Flexibilität garantieren.

Bei diesen Entwürfen habe ich mich auch auf einen meiner alten Aphorismen bezogen: “Architektur ist “Leere”, es liegt an dir, sie zu definieren.”

Ist dieser Aphorismus hinsichtlich der historischen Stadt verständlich – es genügt, an die Plätze, an die Straßen, an die Wege zu denken, die durch die Gebäude des historischen Zentrums definiert worden sind -, scheint er jedoch angesichts der heutigen zersiedelten Stadt schwerer nachvollziehbar, da der leere Raum zwischen den Gebäuden zu oft ein sinnloser Rest ist. Das ist der Grund, weshalb sich die heutigen Architekten auf ihr Objekt zurückziehen, und in Abwesenheit eines sinnvollen Kontextes, wie ihn die Altstadt auf weist, versuchen sie durch forcierte formale Erfindungen, durch die größtmögliche Originalität ein Monument zu schaffen. Aber durch das Fehlen eines sinnvollen Kontextes, wie er in der historischen Stadt existiert, kann das Resultat nichts anderes sein als eine Summe einzelner Bauten, die nichts anderes erreichen, als die Monotonie der heutigen Stadt zu erhöhen.

Max Frisch, ausgehend vom Scheitern der Aufklärung, der er sich gleichwohl verbunden fühlte, sagte in der Rede, die er im Rahmen der Feier zu seinem 75. Geburtstag hielt: “Wissenschaft ohne sittliche Vernunft und infolge dessen ohne wissenschaftliche Forschung, deren Folgen niemand zu verantworten hat, das ist schon mehr als ein Defizit, nämlich die Perversion der Aufklärung, die uns mündig machen soll. Aufklärung heute ist Revolte gegen den Aberglauben in die Technologie, die den Menschen antiquiert, wie Günther Anders es bezeichnet, und zur Ohnmacht gegenüber der Technologie führt. Am Ende der Aufklärung also steht nicht, wie Kant und die die Aufklärer alle hofften, der mündige Mensch, sondern das goldene Kalb.

Ich weiß mich solidarisch mit allen, die, wo immer in der Welt und somit auch hier, Widerstand leisten – auch Widerstand gegen die Rechtsstaatlichkjeit als Kniff -, Widerstand mit dem Ziel, dass der Geist der Aufklärung sich durchsetzt, und zwar zeitig genug: nicht als historische Reprise, meine ich, sondern durch historische Erfahrung zu neuen und anderen Versuchen eines Zusammenlebens von mündigen Menschen.

Ohne einen Durchbruch zur sittlichen Vernunft, der allein aus Widerstand kommen kann, gibt es kein nächstes Jahrhundert, fürchte ich. Ein Aufruf zur Hoffnung ist heute ein Aufruf zum Widerstand.”

Luigi Snozzi

 

educating the citizen architect?

Sambo Mockbee

 

The Italian Renaissance introduced a fundamental change in perception, establishing the principle that the drawing truthfully depicts the three-dimensional world, and is a window to that world, which places the viewer outside and in command of the view. For the first time, the drawing became essential to architectural practice.

The command of drawing unlocked the status of the architect. Interdependent, the drawing and the architect affirm the same idea: architecture results not from the accumulated knowledge of a team of anonymous craftsman working together on a construction site, but from the artistic creation of a individual architect in command of drawing who designs a building as a whole at a remove from construction. Thus, the architectural drawing depends on two related but distrinct concepts. One indicates that drawing is an intellectual, artisitic activity distant from the grubby materiality of building. The other claims that the drawing is the truthful representation of the building, indicating the mastery of architects over building production.

The histories of the architect and the drawing are interwoven with those of design. The term “design” comes from the Italian disegno, meaning drawing, suggesting both the drawing of a line on paper and the drawing forth of an idea. Dependent on the assumption that ideas are superior to matter and, thus, that intellectual labour is superior to manual labour, disegno enabled architecture, painting and sculpting – the three visual arts – to be identified as liberal arts concerned with ideas, a position they had rarely been accorded previously.

 

Since the nineteenths century, architects and non-architects alike assume that it is natural for architects to be a professional and that there is no alternative. To the apparent benefit of practitioners, consumers and the state, the professions reflect the desire to manage capitalism’s excesses and reduce the threat of economic and social disorder. Professionals are neither expected nor peid to generate ideas, whether critical or not. Focusing on technical competence and acquiescence to commercial and regulatory forces, the architectural profession wants neither architecture nor architects to be critical. To be critical, therefore, the architect must be critical of the profession.

 

To use a building is also to make it, either by physical transformation, using it in ways not previously imagined, or in conceiving it anew. Just as each reader makes a book anew, each user makes a building anew. And, as books and buildings are remade and re-imagined by readers and users, so too is the critical. Whether a buildings is critical depends on the user as much as the architect; both draw forth ideas. Architects do not have a monopoly over architecture. And neither do they have a monopoly over critical architecture.

 

Ambiguity is a quality rarely attributed to the critical. More ofthen it is assumed that if an idea travels directly from the artist to the view and from the architect to the user, the so does the critical. In art since the early twentieth century, shock is ofthen the agent of the critical and the artist its author. Shock may help to promote new architectural ideas and spaces. But it wears off quickly and is comparatively ineffective as most buildings are experienced not once but many times when they are not the focus of attention. As the user’s experience depends on complex juxtapositions of many conditions, whether a building is critical may depend not on instantaneous shock but enduring ambiguity, the ability to appear ever-changing, resist resolution and remain open to interpretation.

Modernist architecture is widely described as didactic and determinist. But Manfredo Tafuri offers an alternative interpretation: “What joins together the entire Modern Movement is the concept of architecture as ambigious object. The observer becomes more and more the user who gives meanings to the object or to the series.” Tafuri identifies the origins of the ambiguous object in the design and appreciation of picturesque gardens, which developed alongside the increasing value given to personal opinions and experiences in the eighteenth century: “Architecture, from absolute object, becomes in the landscaped context, relative value: it becomes a medium for the description of an edifying play.”

Jonathan Hill

 

Architecture is not the instrument of expression of something beyond architecture. It is not the reflection or representation of something else. […] We refuse meanings beyond architecture in order to to guarantee the freedom or architecture as a space and time open to interpretations, to modifications of behaviour, to new fashions of dwelling, to the unexpected, to the unknown.

Philippe Rahm

 

Es besteht ein Zusammenhang zwischen der sozialen und der rümlichen Organisation einer Gesellschaft. … Definierbare Formen sozialer Organisation führen regelmäßig zu bestimmten Formen räumlicher Organisation. Zudem bleibt zu untersuchen, welche Rückwirkung die jeweilige räumliche Organisation auf die soziale hat.

Jürgen Friedrichs

Die soziale Ordnung bestimmt zunächst die Art der räumlichen Strukturierung. Erst längerfristig kommt es dann zu einer Rückwirkung der räumlichen Strukturen au die Sozialen. Es handelt sich insofern um zirkuläre Prozesse.

Mauss stellt die Frage: “Welche Macht wohnt in den Objekten, was zwingt den Empfänger, etwas wieder zurück zu zahlen?” Er folgert, dass ein Geschenk eine Seele besitzt, und dass jemandem ein Geschenk zu machen bedeutet, dass man damit einen Teil von sich selbst schenkt. … Weil aber “Sachen” die Fähigkeit besitzen, regulativ zu wirken, weil sie affektiv besetzt sind, wirken auch Räume prägend auf soziales Verhalten. Räume sind also Bedeutungsträger wie Sachen. Ihre Symbolik wird erlernt und lebt bestimmte Verhaltensweisen nahe.

Die Schaffung eines angemessenen und angeeigneten sozialen Raums, in dem eine Gesellschaft präsent sein kann und sich zugleich repräsentieren, d.h. sich darstellen kann, ist ein Akt der Schöpfung und somit ein zeitlich ablaufender Prozess. Dazu werden spezielle Plätze benötigt, etwa für politisch- religiöse Handlungen. Sozialer Raum entfaltet sich historisch aus einer Differenz, dem GEWEIHTEN und somit HEILIGEN, und dem Gegensatz, dem PROFANEN, das täglicher Praxis zugehörig ist (E. Durkheim). Nahezu zwangsläufig sollte daher der Raum von einer höheren Macht bewohnt sein, die ihn so auszeichnet und bezeichnen lässt. Solche Räume entstehen durch Segregation, sie werden abgetrennt und mit Verboten belegt. (Sakrale Räume, Zugangsbeschränkung, etc.)

Wie wir uns verhalten, wird also dadurch bestimmt, an welchem Ort wir uns befinden. Die Möglichkeit, Räume so so einzurichten, dass ihre Einrichtungen richtungsweisend werden, wird in unterschiedlichsten Zusammenhängen genutzt, besonders dort, wo mit einer Vielzahl anonymer und kulturell unterschiedlicher Personen zu rechnen ist, etwas in Einkaufszentren oder auf Flughäfen.

Ein geplantes “behaviour setting” durch Einrichten von Räumen ist in Gesellschaften kaum nötig, die eine komplette Akkulturation anbieten und zusätzlich die Gewähr geben, dass die internalisierten Haltungen auch in den vorgefundenen Situationen angemessen sind. Trotzdem sind auch hier die Räume codiert und präformiert. Multiple Nutzung von Räumen ist hier weit verbreitet, denn jeder weiß, was, wann und wo angemessen ist. Clans können somit auf “behaviour setting” weitgehend verzichten. Allerdings heißt das nicht, dass nicht auch Clans ihnen spezifische Räume erzeugen und suchen. Repräsentationsräume sind hier geprägt durch die starke Differenzt von Profan- und Sakralbauten. Der Mangel and anderweitiger Repräsentation rührt von der egalitären Grundstruktur her, wo einzig die Gemeinschaft als solche einen höheren Stellenwert einnehmen darf als jegliches einzelne Mitglied.

In Hierachien muss angemessenes Verhalten vorwiegend über Disziplinierung, sowohl der Menschen wie auch der vorgefundenen Situationen, hergestellt werden. … Der Charakter des Raums, in dem Disziplin durchgesetzt wird, entsteht, Foucault zufolge, aus der Kontrolle des Raums, hauptsächlich durch Linien, Pfeiler, gemessene Mauerabstände. Es ist nicht irgendein besonderer Teil des Gebäudes, der zählt, sondern dessen gesamte rationale Gestalt. Das Klassenzimmer illustriert diese Phänomen.

Indem sie die “Zeilen”, die “Plätze” und die “Ränge” organisieren, fabrizieren die Disziplinen komplexe Räume aus Architektur, Funktionen und Hierachien. Dies Räume leisten die Festsetzung, und sie erlauben den Wechsel; … sie garantieren den Gehorsam der Individuen aber auch eine bessere Ökonomie der Zeit und der Gesten.” (Foucault)

Verbleibende Freiräume mutieren dadurch quasi von selbst zu Enklaven, wie das am Beispielt der “wilden Natur” in eingezäunten Nationalparks anschaulich deutchlich wird.

Markgesellschaften benötigen offene Räume. Prototypsich wäre die Markthalle, die nicht nur offenen Zugang, sondern auch Wachstum in jede Richtung erlaubt. Tange fordert z.B. statt einem Zentrum im Herzen der Stadt die Längsentwicklung der Stadt in axialer Richtung.

Manfred Schmutzer

Raum wird konstituiert als Synthese von sozialen Gütern, anderen Menschen und Orten in Vorstellungen, durch Wahrnehmungen und Erinnerungen, aber auch im spacing durch Platzierung (Bauen, Vermessen, Errichten) jener Güter und Menschen an Orten in Relation zu anderen Gütern und Menschen. Die Konstitution von Raum vollzieht sich im Alltag vielfach in Routinen. Räumliche Strukturen sind eine Variante gesellschaftlicher Strukturen.

Martina Löw

Architekten und Städteplaner haben ständig mit Alltagsgeschehen zu tun. Sie schaffen und modifizieren materiell-räumliche Milieus, in denen sich Alltagsgeschehen abspielt. Sie müssen etwas darüber wissen, wie Menschen mit ihren natürlichen Umwelten umgehen, um dies bei ihren Milieu-Gestaltungen antizipieren und berücksichtigen zu können. Wie konzeptualisieren sie dieses Geschehen?

Kaminski

 

 

 

 

 

 

 

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