Der Fin-Garten in Kashan

The Fin Garden

Grabet euer Feld ins zierlich Reine,
Daß die Sonne gern den Fleiß bescheine;
Wenn ihr Bäume pflanzt, so sei’s in Reihen,
Denn sie läßt Geordnetes gedeihen.
Auch dem Wasser darf es in Kanälen
Nie am Laufe, nie an Reine fehlen.

J.W. von Goethe, über persische Gärten

Kashan, etwa auf halber Strecke zwischen Teheran und Isfahan gelegen, behebergt eine der ältesten erhaltenen Gartenanlagen des Iran: den Fin Garten (persisch باغ فین, Aussprache: bagh-e fiyn). Verschiedene Quellen gehen von einer bis zu 7000-jährigen Geschichte an seinem heutigem Standort aus, als historisch gesichert gilt jedoch, dass er in seiner heutigen Form im Jahr 1590 unter dem Safawiden-Herrscher Abbas I. errichtet und in weiterer Folge mehrfach ergänzt und erweitert wurde. Engelbert Kaempfer, ein Reisender des 17. Jahrhunderts betont die besondere Bedeutung des Gartenbaus in Persien wenn er über Abbas I. schreibt:

Bei der Planung des Tschahar Bagh habe er, so heißt es, mit eigener Hand das Lineal geführt – darin sich als echter zu lobender Nachfahre des großen Kyros erweisend, der, wie man bei Xenophon lesen kann, das Entwerfen gärtnerischer Anlagen als eine königliche Beschäftigung ansah und sogar nicht selten mit eigener Hand Pflanzen gesetzt oder Baumzeilen abgesteckt haben soll.

Kaempfer 1977: 226

Der Grundriss der Gartenanlage entspricht dem Tschahar Bagh (persich ‏چهار باغ , “Vier Gärten”) System, bei dem zwei sich kreuzende Wasserläufe das im Koran beschriebene Paradies mit wasser-, milch-, honig- und weinführenden Bächen metaphorisch wiederspiegeln. Der altpersische Begriff Paradaidha (umgrenzter Bereich, ummauerter Garten) hat etymologisch auf semitische sowie europäische Sprachen Einfluss genommen – so hat sich etwa der deutsche Begriff Paradies daraus entwickelt.

Fin Garten_Hofer_Grundriss_Medomed.org

Besonderes Merkmal – und ein starker Kontrast des Gartens zu seiner ariden Umgebung – stellt das Vorhandensein von Wasser dar. Die sprudelnden Springbrunnen werden von von Menschen hergestellten Quanat-Systemen ohne den Einsatz von elektrischen oder mechanischen Hilfsmitteln unaufhörlich gespeist. Diese jahrtausendealte Kulturtechnik macht sich die relativ hohe Lage von Grundwasserhorizonten in Gebirgslagen zugute und befördert das Wasser unterirdisch und dadurch verdunstungsarm sowie aufgrund des großen Höhenunterschiedes über weite Distanzen.

Neben in Kashan von Zypressen dominierten landschaftsarchitektonischen Elementen finden sich in persischen Gartenanlagen je nach Typ auch aus Ziegeln und Lehm hergestellte Gebäude. Im 2,3 ha großen Fin Garten handelt es sich dabei um eine Begrenzungsmauer, mehrere Türme und ein Königen vorbehaltenes Orientalisches Bad (Hammam).

Hier fand auf Geheiß des Kadscharen-Königs Naser ad-Din Schah im Jahr 1852 die Ermordung des Ministerpräsidenten Amir Kabir statt. Er hatte nach diplomatischen Reisen nach Russland und ins Osmanische Reich die Rückständigkeit seines Landes erkannt und zahlreiche Reformen im Industrie-, Bildungs-, Medien-, Gesundheits-, Steuer- und Verwaltungsbereich umgesetzt. Diese kamen vor allem ärmeren Schichten zugute und führten dazu, dass privilegierte Eliten ein Komplott gegen ihn schmiedete, dem er schließlich zum Opfer fiel.

Nach dem Attentat wurde der Garten vernachlässigt und mehrmals zerstört bis er 1935 unter Denkmalschutz gestellt wurde. 2007 wurde er von der iranischen Regierung der Tentativliste der UNESCO, einer Vorauswahl zum Vorschlag zur Nominierung zum Weltkulturerbe, hinzugefügt.

Fin Garten_Hofer_Hammam_Rowan Castle_Flickr

 

 

 

 

 

 

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